Das verschwundene Badl in Patriasdorf
Geschrieben am 7. Juli 2015 von Evelin Gander
Das verschwundene Badl in Patriasdorf

Nein, damit ist nicht das Dolomitenbad gemeint, die Lienzer wussten schon lange vor dessen Errichtung wie man sich voller Herzenslust den Badefreuden hingibt! Spaziert man den informativen Naturlehrweg beim Schloss Bruck durch duftende Mischwälder am Schlossberg entlang, kommt man unweit oberhalb des Brauereigasthofs Falkenstein an eine äußerst interessante Lichtung …

Bevor man sich der Verlockung eines kühlen heimischen Biers und köstlichen Schmankerln hingibt und zum Brauereigasthof absteigt, lohnt es hier einen Augenblick innezuhalten: Dieser einsame Ort inmitten wilder Natur war einst beliebter Treffpunkt zahlreicher Lienzer und Gäste von nah und fern, und es wurde geplanscht, gelacht und gespeist. Hier befand sich eine der wichtigsten Fremdenverkehrseinrichtungen unseres Osttirols: Bad Leopoldsruh.

Der Lienzer Kaufmann Leopold Ettl erfuhr am schon seit Jahrhunderten bekannten „Augenbrünnl“ die wundersame Heilung seines Oberschenkelbruchs und seines Rheumatismusleidens und errichtete 1853 die Badeanstalt „Leopoldsruh“, von der heimischen Bevölkerung aber lieber „Ettlbad“ genannt.

Wenige Jahre nach der Eröffnung publizierte der in Lienz tätige Apotheker, Alpinist und bekannte Geoplast Franz Keil seine chemische Analyse des viel umpriesenen Heilwassers und riet zu „halbstündigen Badekuren – damals üblich in hölzernen Badewannen – bei höchstens 33 bis 34°C mit anschließender Ruhe am besten im Bette“.

So sprach sich die heilende Wirkung des Wassers schnell herum und schon 1867 besuchten Bad Leopoldsruh 910 Badegäste – im Vergleich zu anderen Badebetrieben eine beachtliche Zahl! Viele blieben mehrere Tage. Nicht nur zur Genesung sondern zur Unterhaltung und aus purer Freude!
Viele Doktoren waren der Heilerfolge wegen begeistert und entsendeten ihre Patienten vor allem bei Gelenks- und Muskelrheumatismus, Ischias, schwer heilenden Knochenbrüchen und Blutarmut zur Kur nach Leopoldsruh. Zum leiblichen Wohl gehörte natürlich auch das gut besuchte Gasthaus. Noch heute erinnern sich manche schwärmend an das moderne Speisenangebot, wie die leckeren Grillspieße, die es sonst noch nirgendswo gab.

1951 untersuchte die Tiroler Landesregierung das Wasser aller Tiroler Heilbäder auf ihre chemischen Bestandteile. Der Befund war für viele Badln entmutigend. Auch im Bad Leopoldsruh – „hier handle es sich nur um eine einfache kalte Quelle, die keine Heilwirkung erwarten lasse“. Zum Leidwesen vieler Lienzer wurde der Badebetrieb 1970 schließlich eingestellt.

Heute erinnern nur noch ganz versteckt ein paar Mauerreste an das einstige rege Leben auf Bad Leopoldsruh und es braucht schon viel Fantasie, um sich die großzügige Anlage mit Badeanstalt, Wohnhaus, Kapelle und Gasthaus vorstellen zu können. Das damals weitum gepriesene Heilwasser plätschert heute von allen ungeachtet leise vor sich hin.

Und all die Heilerfolge? Alles nur Einbildung, oder gar Betrug?
Vielleicht hat Hofrat Dr. Fritz Weber, ehemaliger Besitzer des Heilbades, doch recht als er 1953 schrieb: „Durch die Anwesenheit von weiteren Komponenten kann aber eine Summatio der Einzelwirkungen entstehen, die bedeutender ist, als die einfache Summe der Komponenten.“ Von den zahlreichen Badln in Osttirol ist nur noch ein einziges in Betrieb, dafür aber ein sehr urtümliches: das Aignerbadl in Abfaltersbach. Darüber, und mehr über frühere Badegewohnheiten erfährt Ihr im neuen DOLOMITENSTADT-Sommermagazin, erhältlich hier.

Und noch etwas: Auch das Schloss Bruck und die Brauerei Falkenstein befinden sich im Lienzer Stadtteil Patriasdorf. Wen das wundert, der sollte sich erst recht das DOLOMITENSTADT-Sommermagazin besorgen. Denn wetten, Ihr habt keine Ahnung, wo sich der Lienzer Stadtteil Peggetz befindet?

Cover/Artikelfoto: Miriam Raneburger