Gruselsommer auf Schloss Bruck
Geschrieben am 19. Juli 2014 von Evelin Gander
Gruselsommer auf Schloss Bruck

Gehört auch Ihr zu den glücklich Ahnungslosen, die sich als Besucher des Schloss Bruckes  an den interessanten Ausstellungen erfreuen, das vielseitige Programm des Kultursommers interessiert verfolgen oder ganz unbeschwert im Innenhof einen tollen Kinoabend genießen? Ihr habt es gut. Ihr wisst ja nichts von all dem Schrecklichen, das sich hinter den düsteren Mauern  des Schlosses zugetragen haben soll!

Sobald ich mich aber dem Schlosstor nähere – auch tagsüber, um wieder einmal einen Blick in den kunterbunten Museumsshop zu werfen – läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken. Denn an der Außenmauer vom Schloss, unterhalb des Fensters rechts vom Tor, erinnern einige bräunlich gefärbte Längsstreifen an ein furchterregendes Ereignis.

Vor langer, langer Zeit lebte im Schloß eine schöne Frau, die ihre Seele dem Teufel verschrieben hatte. Ihre zwei liebreizenden Kinder besuchten die Schule der Ehrwürdigen Schwestern Dominikanerinnen, und es kam der Tag, an dem sie das erste Mal den heiligen Leib unseres Herrn empfangen sollten. Die böse Mutter aber zwang die Kinder durch Drohungen ihr die Hostien zu bringen. Voller Angst versteckten die Kleinen die Hostien in ihren Ärmeln und übergaben sie ihrer Mutter. Eilends lief sie damit in den Wald, wo sie ein dunkler Mann erwartete. Aus Neugierde schlichen die Kinder hinterher und wurden Zeugen eines grausigen Treibens, dass beide Erstarren ließ. Die Hostien wurden an einen Baum genagelt und so lange mit Messerstichen durchbohrt, bis Blut aus ihnen floss! Entsetzt entflohen die Kinder und erzählten diese gotteslästernde Freveltat der Schule, die sofort das Schloss Bruck über diesen sündhaften Vorfall verständigte. Die Hexe wurde gefangen und im Fürstenzimmer eingesperrt. Von dort spie sie  Gift und Galle auf die darunter Stehenden. Die Giftstreifen sind bis heute zu sehen und lassen sich durch nichts entfernen.

Es gibt noch andere gruselige Geschichten um diese Giftstreifen und um das Schloss!

Im Kerker des Schlosses saß einst die „Hexe“ Emerentia Pichler mitsamt ihrer alten Mutter und einigen ihrer Kinder. Beim Prozess im Verhörsaal am Schloss gestand sie – nachdem sie fürchterliche Folterungen erleiden musste – an einem Hexentanz teilgenommen zu haben, auf einem Stäbchen über die Berge geflogen zu sein, zahlreiche Kinder verspeist zu haben, … aber mehr dazu ein anderes Mal.

Ich will Euch ja den Spaß am Schloss Bruck nicht verderben, weil letztere Geschichte hat sich nämlich  tatsächlich zugetragen!

 

Evelin Gander
Willkommen auf meinem Cityguide-Blog, den ich gemeinsam mit dem Team von dolomitenstadt.at gestalte. Ich bin Bergbäuerin und geprüfte Fremdenführerin, vor allem aber seit Jahren in Osttirol und die Dolomitenstadt verliebt.