Lienz – das schönste Städtchen der Welt!
Geschrieben am 16. Februar 2016 von Evelin Gander
Lienz – das schönste Städtchen der Welt!

„Touristen durch Lienz führen. Das muss doch fürchterlich langweilig sein“, sagte mir doch tatsächlich kürzlich eine etwas beschränkte Bekannte mitten ins Gesicht. Das können nur Unwissende sagen! Und meistens handelt es sich dabei um Einheimische, die oft gar nicht wissen, dass sie in einer der schönsten Stadt der Welt wohnen!

Unter uns gesagt – lange war mir das so auch nicht bewusst. Erst kürzlich versicherte mir ein oft um die Welt gereister amerikanischer Gast: „Lienz is the most beautiful town I’ve ever seen!“ Das dachte er sich schon 1968, als er das erste Mal in Lienz war. All die Jahre bis zu seiner Rückkehr in letzten Sommer trug er das Bild eines hölzernen Wegkreuzes mit den schroffen Gipfeln der Dolomiten im Hintergrund in seinem Herzen. Seine Freunde zu Hause in den USA wollten ihn ständig korrigieren, er meine wohl die Stadt Linz …

Außerdem hat Lienz eine aufregende Vergangenheit und Gegenwart und in jeder Ecke lauern spannende Geschichten! Spannend finde ich auch manche Bemerkung oder Frage meiner Gäste während eines Stadtspaziergangs. Besonders meine italienischen und französischen Gäste äußern häufig anerkennend, wie sauber und gepflegt alles bei uns ist. Wenn ein Auto vor dem Zebrastreifen hält, um uns über die Straße zu lassen, wundern und freuen sie sich gleichermaßen darüber. Sehr amüsant finden meine Gäste sonntags auch die Zeitungsständer mit angebrachten Kassen.

Sogar den Uninteressiertesten, die sich anfangs lieber in ein Cafè verdrücken würden, die Stadtführung dann aber doch mitmachen – weil halt im Programm und somit schon bezahlt –  kann ich mit ein paar fesselnden „Gschichtln“ über das lebendige Zentrum mit seinem mediterranen Flair und über unser prächtiges Rathaus, die Liebburg, ein anerkennendes „Oh“ und „Aha“ entlocken. Einige wundern sich immer wieder, wie die vielen Palmen unbeschadet durch den Winter kommen. Natürlich gibt es dann sofort die Aufklärung meinerseits.

Alle aber sind beeindruckt von den vielen unterschiedlichen Geschäften, die das Lienzer Zentrum beleben und so bunt machen. Und so entwickelt sich manche Stadtführung  – vor allem, wenn es sich um kleinere Frauengruppen handelt – von einer Kultur- zu einer Shoppingtour.

Von bezaubernden Kleidern und Accessoires bei „Mausgrau“ oder im Mosaik, von sexy Strümpfen und coolen Socken im legendären „Strumpfladen“ über trendige Mode für starke Frauen bei „Kunz XL“, dem Second-Hand-Shop „s’Gwandtl“ bis hin zu den allerneuesten Trends der Lifestyle-Welt bei „Zanon“ und noch viel mehr rund um Fashion & Lifestyle findet man bei in der Einkaufsstadt Lienz. Und der Besuch des Lienzer Stadtmarktes bildet dann den köstlichen Abschluss solch einer Tour.

Im Sommer kommen wöchentlich amerikanische Gruppen per Rad in die Dolomitenstadt und sind von Lienz ebenso begeistert, wie von der eleganten Ausstattung des Grandhotels und dem Naturerlebnis entlang der Isel. Ich freue mich immer, wenn wir uns der Hypobank nähern. „Oh, Raimund Abraham!“ ruft fast jedesmal jemand bewundernd aus der Menge. Unser Architekt Raimund Abraham ist in den USA weitaus bekannter als in seiner Heimatstadt Lienz! Eine Dame fand Lienz und die Region ganz besonders bezaubernd und wunderte sich, dass nicht viel mehr Touristen zu uns kommen, sie meinte: „Probably you don’t like tourists?“

Die Amerikaner sind auch bis jetzt die einzigen, die in den Zwiebeltürmen der Liebburg und dem Antoniuskirchlein russische oder türkische Einflüsse zu erkennen glauben. Darauf folgt dann ein kleiner kunsthistorischer Exkurs. Dass Lienz die einzige Stadt weit und breit ist, brauche ich meinen amerikanischen Gästen nicht zu erzählen, ebenso streiche ich die Andreas Hofer-Geschichten.

Französische Gäste hingegen freuen sich zu hören, dass auch wir Osttiroler – zwar widerwillig aber doch – seinerzeit zu Frankreich gehörten. Und weil es sich bei Franzosen meistens um „echte“ Kulturreisende handelt, die mit Kulis und Heften ausgerüstet sind, spielen die  bedeutenden Kulturschätze unseres Bezirks eine große Rolle. Oft nächtigen sie im Hotel Vergeiner’s Traube  und sind von der atemberaubenden Aussicht vom Panoramaschwimmbad am Dach des Hotels total hingerissen.

Während eines historischen Stadtspaziergangs komme ich mit meinen Touristen an gepflegten Gärten, vielen „dicken“ Autos, schönen Wohnanlagen und prächtigen Privathäusern vorbei. Häufig wendet sich mir dann ein Gast zu und bemerkt, meist mit etwas gedämpfter aber ausdrucksvoller Stimme: „Ihr seid reich.“ Ich nicke dann immer zustimmend. Inmitten paradiesischer Naturlandschaften können wir jeden Abend ruhig in unseren warmen, kuscheligen Betten einschlafen, ohne um unser oder unserer Kinder Leben zu fürchten, können tagtäglich essen, soviel wir wollen, haben Zeit und Geld für manches Hobby und für die meisten reicht es noch, um hin und wieder in den Urlaub zu fahren.

Ich bin gern Stadtführerin von Lienz, von zumindest einem der schönsten Städtchen der Welt!

Coverfoto: Wolfgang C. Retter

Evelin Gander
Willkommen auf meinem Cityguide-Blog, den ich gemeinsam mit dem Team von dolomitenstadt.at gestalte. Ich bin Bergbäuerin und geprüfte Fremdenführerin, vor allem aber seit Jahren in Osttirol und die Dolomitenstadt verliebt.