Tschurtschenjagd
Geschrieben am 2. August 2014 von Evelin Gander
Tschurtschenjagd

Waren es früher nur einzelne Bauern, tummeln sich heute um diese Jahreszeit sogar viele Stadtner in die höheren Waldregionen. Denn dort wächst die Zirbe mit ihren begehrten Zapfen. Bis auf 2.500 m trotzen diese knorrigen Gestalten allen Naturgewalten und manche haben schon mehrere hunderte Jahre auf dem Buckel. Der hype um diesen nur sehr langsam wachsenden Wunderbaum und alles was damit zu tun hat reißt nicht ab.

Kein Wunder. Positive Effekte auf den Menschen sowie zahlreiche harmonisierende Eigenschaften werden dieser besonderen Holzart nachgesagt. Auch der aus den Zapfen gewonnene Zirbenschnaps gilt als gesundes Hausmittel für allerlei Wehwehchen. Er soll gegen Magenverstimmung, Nervenschwäche, Überlkeit, ja und sogar gegen Missmut helfen.

In manchen Gebieten wird regelrecht wie wild Jagd auf die Zirbenzapfen, oder Nüsse wie sie auch genannt werden, gemacht. Von Menschenmassen wird berichtet, die oft mit Stöcken, Stricken oder gar mit Steinen auf die halbwüchsigen Zirbenbäume losstürmen und verkrüppelte Bäume zurücklassen. Letztes Jahr war ein Herr in Kärnten besonders fleißig. Es wurden an die 300 kg(!) Zirbenzapfen in seinem Kofferraum entdeckt. Das Geschäft mit den Zapfen läuft ja ausgezeichnet!

Der Waldbesitzer darf über seine Bäume und deren Nutzung entscheiden. Gesetzliche Beschränkungen diesbezüglich gibt es keine. Zumindest nicht in Tirol. Denn Naturschutz ist Ländersache, und kann genauso wie die Bauordnung, der Jugendschutz, die Raumordnung, die Feuerpolizeiordnung, etc., etc., etc, in jedem der 9 kleinen Bundesländer des kleinen Staates Österreichs anders geregelt sein.

Bei uns in Osttirol hat es (noch) nicht die oben beschriebenen Auswüchse angenommen und vorausgesetzt der Waldbesitzer hat nichts dagegen, wird auch die Zirbe nichts gegen die Ernte einiger ihrer Zapfen haben.
Aber muss es wirklich immer Zirbe sein?

Auch aus anderen Bäumen lassen sich hochprozentige und gesunde Köstlichkeiten gewinnen. Wie wäre es mit einem „Lärchela“? Wie beim Zirbenschnaps werden beim Lärchela die Lärchentschurtschen (=zapfen) oder junge Lärchentriebe in Alkohol angesetzt. Auch dem Lärchenschnaps sagt man heilvolle Wirkung bei allerhand Beschwerden nach.

Aber gesünder wie jeder Zirben- oder Lärchenschnaps die meist im billigsten Korn angesetzt werden, ist wahrscheinlich wohl ein einfacher Tee aus selbsgepflückten Almwiesenkräutern….

Evelin Gander
Willkommen auf meinem Cityguide-Blog, den ich gemeinsam mit dem Team von dolomitenstadt.at gestalte. Ich bin Bergbäuerin und geprüfte Fremdenführerin, vor allem aber seit Jahren in Osttirol und die Dolomitenstadt verliebt.