Auf den Spuren der Kosaken
Auf den Spuren der Kosaken

Anfang Mai 1945: Das Kosaken-Korps Domanov befindet sich auf dem Rückzug vom oberitalienischen Friaul in die österreichischen Alpen.

Die Marschkolonne hat einen riesigen Tross und ist viele Kilometer lang. 25.000 Menschen, davon mehr als die Hälfte Frauen, Kinder und alte Leute, versuchen, die britische Besatzungszone zu erreichen. Denn die russischen Reiter haben als offizieller Wehrmachtsverband für Nazi-Deutschland gekämpft und wollen unter keinen Umständen in die Hände der italienischen oder jugoslawischen Partisanen fallen, mit denen sie in den zurückliegenden Monaten nicht gerade zimperlich umgegangen sind.

Schließlich gelangt der Zug, zu dem auch tausende Pferde und sogar einige Kamele gehören, nach Osttirol, ins Talbecken um das 10.000-Einwohner-Städtchen Lienz. Dort, an den Ufern der Drau, schlagen die Kosaken und die mit ihnen ziehenden Kaukasier ihr Lager auf. Die Soldaten vom schottischen 8. Regiment der Argyll and Sutherland Highlanders, denen sie sich ergeben haben, werden ihnen nicht den erhofften Schutz bieten. Doch das ahnen die Gestrandeten – menschliche Konkursmasse des schlimmsten Krieges aller Zeiten – noch nicht. Die „Tragödie an der Drau“, die das Schicksal der meisten von ihnen besiegeln wird, steht erst noch bevor. Am 28. Mai werden 1500 Offiziere unter dem Vorwand, es solle eine Konferenz über das weitere Vorgehen stattfinden, von den Briten nach Kärnten gebracht.

Am 1. Juni räumt die Besatzungsmacht überfallsartig die Lager um Lienz. Die britischen Soldaten verfrachten die führungslose Masse der Kosaken in Eisenbahnwaggons und bringen sie in die Steiermark. Gemäß den Vereinbarungen der Konferenz von Jalta über die Auslieferung sowjetischer Staatsbürger werden sie dort der Roten Armee übergeben. Die Deportation ist allerdings nur unter brutaler Gewaltanwendung möglich. Beim Abtransport müssen die Briten Gewehrkolben, Knüppel und Bajonette einsetzen. Schreckliche Szenen spielen sich ab. Dutzende Menschen kommen ums Leben. Väter erschießen ihre Kinder und dann sich selbst, Frauen stürzen sich mit ihren Kindern im Arm in die Drau. Die Überlebenden werden von den Sowjets nach Sibirien deportiert. Für die allermeisten bedeutet dies das Todesurteil.

Impressum

Für den Inhalt verantwortlich: Univ.-Prof. Dr. Harald Stadler, Universität Innsbruck, Institut für Archäologien, Langer Weg 11, A-6020 Innsbruck; Bilder zur Verfügung gestelltt vom Imperial War Museum London und Museum Stadt Lienz Schloss Bruck. Partner des Projekts: Universität Innsbruck, Land Tirol, Stadt Lienz. Redaktion: dolomitenstadt.at

9 Stationen
  • Hotel Traube
    Am 17. Mai 1945 wurde der Kosakengeneral Andrei Grigorjewitsch Schkuro und 1400 Personen seiner Ausbildungseinheit nach Lienz verlegt.
  • Antoniuskirche
    Die Kapelle zum Hl. Antonius von Padua, von der Lienzer Bevölkerung liebevoll Antoniuskirchlein genannt, befindet sich am östlichen Ende der Altstadt.
  • Gasthof "Goldener Fisch"
    Im Gasthof „Zum Goldenen Fisch“ befand sich das Hauptquartier von General und Feld-Ataman Timofei Domanow.
  • Franz Josef Kaserne
    Das lang gestreckte, viergeschossige Gebäude mit überhöhtem, dreiteiligem Mittelrisalit an den Längsseiten wurde zwischen 1910 und 1911 errichtet.
  • Kosakenfriedhof Peggetz
    Die Anlage des Friedhofes an dieser Stelle ist durch den eigentlichen Schauplatz der Tragödie bedingt.
  • Nußdorf-Debant
    Auf dem Dachboden des Hauses von Josef Unterguggenberger in Alt-Debant 5 wurde eine Art Registrierbuch mit einem 17-seitigen russischen Text gefunden.
  • Lavanter Kirchbichl
    Von der Ulrichskirche auf dem Lavanter Kirchbichl gibt es einen Befund, der Einblick in die Beisetzungsgewohnheiten der Kosaken gewährt.
  • Amlacher Hof
    Peter Krasnow, 1869 in eine alte Donkosakenfamilie hineingeboren, zeichnete sich im ersten Weltkrieg als Kommandeur eines Kavalleriekorps aus und erhielt die damals höchste Auszeichnung, den St. Georgs Orden.
  • Südbahn-Heizhaus
    “Einst Flüchtling – heute Tourist” ist der Titel der Schau, die vom 4. Juni bis zum 15. September viele historische Bilder, Originaldokumente, Fundgegenstände und Filme präsentieren wird, zum Teil im Heizhaus, zum Teil in den restaurierten Waggons der dort abgestellten alten Zugsgarnitur. Die Perspektive der Kosaken wird jener der Russen und der Engländer gegenübergestellt.

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